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"Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen! " (Johann Wolfgang von Goethe)

Was lange währt...
    ...will gut vorbereitet sein!

In vielen Büchern die sich mit der Vorbereitung und Durchführung einer (Welt-) Reise beschäftigen, wird zunächst über den optimalen Zeitpunkt und die Dauer der Reisevorbereitung philosophiert. Dabei wird meist ein Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten vor Abreise empfohlen. Dem kann ich mich zwar grundsätzlich anschließen, allerdings ist die Vorbereitungszeit natürlich insbesondere von individuellen Faktoren, wie beispielsweise der Dauer der Reise, den Länder, dem Reisemodus (z.B. Work&Travel, Freiwilligenarbeit, Just4Fun etc.) und vor allem den persönlichen Umständen abhängig.

Allem voran steht der Entschluss und die Entscheidung für einen Umbruch. Denn das ist eine Reise, die mehr verlangt als das einmal die Woche jemand zum Blumen gießen nach Hause kommt und den Briefkasten leert. Mit diesem Entschluss begann für mich zugleich auch die Vorbereitung meiner Reise, die in dieser frühen Phase besonders viel Spaß macht. Ohne eine wirkliche Vorstellung von den lokalen Gegebenheiten, den monetären und zeitlich bedingten Einschränkungen zu haben, konnte ich mich meinen Träumen, Vorstellungen und Wünschen völlig hingeben. Erst nach und nach treffen Wunschdenken und Realität aufeinander und bis es soweit ist, vergehen Wochen und Monate der Recherche. Die Suche nach Informationen zu Land und Leuten, Übernachtungsmöglichkeiten, Flug- und Busverbindungen, Sehenswürdigkeiten und vermeintlichen "Geheimtipps", nach Einreisebestimmungen, gesundheitlichen Voraussetzungen und notwendigem Equipment, nahm den größten Teil der Zeit meiner Vorbereitung in Anspruch.

Doch noch lange vor diesen Überlegungen (und manchmal sogar noch bevor das eigentliche Reiseziel feststeht) drängt sich eine entscheidende Frage auf. Wie soll das alles finanziert werden? Wenn man sich nicht gerade für Work&Travel* entschieden hat, um die eigene Reise durch Arbeit finanziell zu unterstützen, kann man für ein solches Vorhaben schon im voraus viel Geld ausgeben. Aber auch das ist, wie immer, eine Frage der eigenen Einstellung. Kaufe ich mir meine gesamte Ausrüstung neu im Fachhandel und nur die neuesten und ausgefeiltesten Modelle oder darf es auch ein älteres oder gebrauchtes Produkt sein? Macht mir eine Übernachtung im Schlafsaal eines Hostels mit Gemeinschaftsbad nichts aus oder lege ich auf meiner Reise mehr Wert auf Komfort und Privatsphäre? Für die Meisten liegt das eigene Wohlfühl-Gefühl irgendwo dazwischen.
Mit der Entscheidung vor rund vier Jahren, eine längere Auszeit nehmen zu wollen und ein wenig die Welt zu entdecken, entschied ich mich für den klassischen Bausparvertrag und legte auch darüber hinaus regelmäßig etwas auf Seite. Rückblickend hätte ich mir das Geld wohl auch ins Kopfkissen einnähen können, da die Gebühren bei Abschluss des Bausparvertrages, die Verzinsung der ersten drei Jahre fast gänzlich aufgehoben haben. Es gibt heute also sicherlich lohnenswertere Anlagemöglichkeiten. Aber so war wenigstens sichergestellt, dass ich das Geld nicht so einfach für die vielen tausend anderen "wichtigen Dinge" des Lebens aus dem Fenster schmiss. Darüber hinaus habe ich mir den Urlaub des laufenden Jahres sowie den des neuen Jahres aufgespart und in meine Reisezeit eingebaut. Dadurch konnte ich auf weitere zwei Monatsgehälter, während meines Aufenthaltes zurückgreifen.

Ziemlich genau ein Jahr vor der Abreise wurden die Pläne konkreter. Ich wusste also inzwischen, dass ich mich alleine auf den Weg machen würde und das es mich nach Mittelamerika zieht.  Was ich noch nicht wusste war, wie ich meinen Chef von diesem Vorhaben - meinem Lebenstraum - überzeugen wollte. Schließlich brauchte ich sein Einverständnis, mich für diesen Zeitraum von der Arbeit freizustellen. Klar, das Unternehmen zu verlassen und zu kündigen wäre sicherlich eine Möglichkeit gewesen mein Vorhaben gegen jeden Widerstand durchzusetzen. Es gibt Menschen, die das auf sich nehmen und das damit verbundene Risiko in Kauf nehmen. Davor habe ich großen Respekt. Ich gehöre jedoch nicht dazu. Sicherheitsbedürfnis und so...

Glücklicherweise sollte sich jedoch herausstellen, dass ich mir über die Arbeitslosigkeit nach der Reise keine Gedanken machen musste, da ich auf einen sehr verständnisvollen Vorgesetzten zurückblicken darf. Einige werden jetzt vielleicht denken "Ah schön für dich, aber das brauche ich bei meinem Chef gar nicht erst versuchen". Ich hatte mir vor dem Gespräch ehrlich gesagt auch keine allzugroßen Chancen ausgemalt, aber einen Versuch war es wert - und ich wurde eines Besseren belehrt!

Damit hatte ich die drei für mich wichtigsten Grundvoraussetzungen geklärt.

1. Die Finanzierung stand auf sicheren Beinen.
2. Mein Arbeitgeber unterstützte mich bei meinem Vorhaben und
3. Ich konnte mir der moralischen und emotionalen Unterstützung meiner Familie
     und Freunde sicher sein.


                                                                        * Finanzierung der eigenen Reise durch Arbeiten vor Ort